Betritt man die schieferbedeckte Kirche, ist man überrascht von der warmen, einladenden Atmosphäre.
Keine prunkvolle, goldglänzende Barockpracht erwartet Besucherinnen und Besucher, sonrdern warme Farbtöne, in denen die Kirche ursprünglich gehalten war, erfreuen wohltuend Herz und Auge und lassen das Gefühl von Geborgenheit aufkommen.
Die Orgel und die Kanzel im Chorraum ziehen den Blick auf sich. Der Orgelprospekt aus dem Jahr 1750 will an das himmlische Jerusalem erinnern.
Den hölzernen, 1629 von einem Dorfschreiner hergestellten Tauftisch ziert eine achteckige Decke aus der Paramentenwerkstatt des Elisabethenstiftes in Darmstadt.
Am 28. Oktober 1813 wird Georg Büchner hier in der Goddelauer Kirche getauft.
Im Herzen von Goddelau liegt die kleine Barockkirche aus dem 17. Jahrhundert. Das kleine, aber feine Gotteshaus wurde 1606/1607 erbaut und steht an der Stelle der im Mittelalter errichteten Kapelle "Zum Heiligen Kreuz". Dieses Kirchlein musste im April 1606 wegen Baufälligkeiten an Mauerwerk, Dach und Turm abgebrochen werden. Das Abruchmaterial wurde zum Kirchenneubau verwendet. Davon zeugt heute der Sandsteinsturz über der Turmtür, der "Visitenkarte" der Goddelauer Kirche.
Hier ein paar Eckdaten aus der Geschichte der Goddelauer Kirche:
um 1300 Eine Kapelle „zum Heiligen Kreuz“ wird gebaut; daneben steht ein Haus für den Kaplan. Der zuständige katholische Pfarrer wohnt in Hofheim.
1527 Landgraf Philipp von Hessen führt in Hessen die Reformation ein; Hofheim bekommt 1530 einen evangelischen Pfarrer.
1535 Landgraf Philipp macht aus Hofheim ein Hospital („Philippshospital“). Goddelau wird eine selbständige evangelische Gemeinde.
Der Pfarrer hat auch Erfelden zu betreuen.
1606 Die Kapelle ist zu klein, außerdem baufällig und wird abgerissen. Der Bau der heutigen Kirche beginnt unter Pfarrer Johannes Vietor
(siehe Gedenkplatte an der Ostseite der Kirche Nr. 4).
1607 Am 2. Sonntag nach Michaelis (dem 29. September) wird die neue Kirche eingeweiht (Kirchweih). Teile der alten Kapelle wurden beim Neubau verwendet (der Türsturz der Turmtür).
1618-1648 Die Zeit des dreißigjährigen Krieges, in der auch Goddelau viel erleiden muss.
1622 Mansfelder Reiter plündern Goddelau. Das Taufbecken wird gestohlen. In den Kirchen-akten werden „drei Glocken“ erwähnt, die unsere Kirche hat.
1629 Auf der Frankfurter Ostermesse wird eine neue Taufschale gekauft. Ein Schreiner stellt den Tauftisch her.
1634-1635 Die Pest herrscht in Hessen. Fast alle Einwohner fliehen aus Goddelau.
1723 Die Kirche wird renoviert. Die Zeiten werden besser: in den folgenden Jahrzehnten kommen die Kanzel, der Messingleuchter und das Kruzifix an der Wand hinzu.
1736 Errichtung des Eingangsportals von der Hospitalstraße aus zum Kirchgarten.
1737 Der Kirchturm erhält eine Uhr.
1750 Die alte Seeheimer Orgel wird gekauft (das Orgelwerk wird 1803 und 1905 erneuert.
1804 Die Empore wird erweitert.
1813 Georg Büchner wird am 17. Oktober als erstes von 6 Kindern geboren und am 28. Oktober in der Goddelauer Kirche getauft.
1910 Das Pfarrhaus – 1709 gründlich renoviert – wird 1910 abgerissen; das heutige wird 1911 gebaut.
1969 Erfelden bekommt einen eigenen Pfarrer.
1978-1979 Die Kirche wird renoviert. Beim Abriss des steinernen Altars werden etliche Münzen gefunden, darunter auch 6 Frankfurter Heller aus den Jahren 1460-1522. Das Chorgestühl und die Empore werden in den Originalfarben von 1607 gestrichen.
1981-1984 Das Pfarrhaus wird renoviert.
1994 Die Kirchendecke wird saniert. Tragende Balken werden erneuert. Decke und Wände erhalten eine neue Farbfassung.
2007 Mit einem großen Fest wird die 400. Kirchweih gefeiert.
2017-2018 Das Kirchendach wird saniert und die Dachschindeln komplett ersetzt. Dabei wird auch der gesamte Kirchturm abgehoben. Auf dem Dachboden werden viele Gegenstände gefunden, die nun im Schaukasten in der Kirche zu sehen sind.
2021 Die Außenfassade der Kirche wird in den alten Originalfarben gestrichen.
1. Die große Glocke (Tonlage A)
Die Inschrift lautet wörtlich:
Gegossen in Franckenthal
von Georg Friedrich Schrader
vor die Gemeinde Goddelau anno 1783
der Zeit Pfarrer Joh. Philipp Wiener
Schultheis Joh. Jacob Müller
2. Die mittlere Glocke (Tonlage Dis)
Die Inschrift lautet wörtlich:
† Nach Gott ladt Geher ich †
(nach Goddelau gehör ich)
Peter Speck ZU Mentz goss mich anno 1662
† Jacob Schaefer Pfarher
Jacob Schafner Schultheis
3. Die kleine Glocke (Tonlage Fis)
Die Inschrift lautet wörtlich:
Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt + Ps. 26 / 8 +Die evangelische Gemeinde Goddelau ihrer Kirche zum 350. Jubiläum 1957
(Glockennummer: 059)
Bei der Kirchenrenovierung 1978-1979 wurde der Fußboden aufgerissen, um eine Fußbodenheizung zu verlegen. Dabei fand man – um den Altar herum – im Erdreich 8 Grabplatten. Sie wurden an den Wänden in der Kirche aufgestellt.
Früher wurden Tote auch in Kirchen beigesetzt. Die Grabplatten wurden begangen und sind deshalb abgewetzt und zum Teil schwer zu entziffern.
Grabplatten an der Nordseite
(Straßenseite, von vorn)
1. Elisabeth Helvicus (Helwig), 38 Jahre alt, gestorben 1628. Frau des Pfarrers Helvicus (siehe Nr. 5)
2. Paulus Raysius, 47 Jahre alt, gestorben 1623.
Pfarrer in Goddelau 1609-1623
3. Johann Adam Pfnor, 44 alt, gestorben 1709. Als Adjunkt (Pfarrgehilfe) 1703-1706 in Goddelau tätig.
4. 1599 umgearbeitete Grabplatte aus der Zeit um 1050-1075 mit ihrem hochmittelalterlichen Gemmenkreuz; ursprünglich wahrscheinlich die Grabplatte eines Bischofs; Ende des 16. Jahrhunderts mit einer Umschrift versehen, die möglicherweise auf den Sohn des Erbauers der jetzigen Kirche hinweist, Pfarrer Johannes Vietor.
5. Johannes Helvicus (Helwig), 50 Jahre alt, gestorben 1628; von 1623-1628 Pfarrer in Goddelau.
An der Südseite (Kirchhofseite, von vorn)
6. Heinrich A.A. Fabricius, gestorben 1761, Pfarrer in Goddelau von 1745-1761.
7. Schwer zu entziffern, wahrscheinlich Grabplatte eines Pfarrers Schäfers; entweder Jacob Schäfer, gestorben 1670, Pfarrer in Goddelau von 1653-1670
oder Johann Adam Schäfer, 67 Jahre, gestorben 1706; Pfarrer in Goddelau von 1673-1706.
8. Grabplatte von 1383, also noch aus der Zeit der alten Goddelauer Kapelle; Inschriften kaum leserlich
1. Hier ruhet in Gott
Johann Christoph Stueber
geb. zu Darmstadt a. 18. Jan. 1773
u. gest. dahier a. 24. Aug. 1835
(links:) Wahre Liebe stirbt nicht.
(rechts:) Ein Denkmal der innigsten Bruder- und Schwesterliebe
2. (in die Wand eingelassen)
(lat.:) ... ruhet in Frieden Philipp Daniel Mylio…
Joh Hak Past God
(Sohn von Johannes Mylius, Pfarrer in Goddelau 1628-1635; † in Darmstadt 1635 während der Pest).
3. Hier ruhen in Gott
Georg Friedmann, ev. Pfarrer,
geb. 1. April 1843, † 20. März 1897
und seine Gattin Luise, geb. Fink
geb. 16.Aug. 1845, † 18. Dez. 1917
2.Cor. 6, V.4 4. Mose 10,29
(Dieser Grabstein wurde 1984 vom Friedhof geholt und hier aufgestellt. Georg Friedmann war Pfarrer in Goddelau von 1888-1897).
4. Obelisk
(oben:) So waren sie
(unten:) Ihren zärtlichst geliebten Töchtern zum Andenken errichtet von Joh. Phil. Wiener Pfarrer (in Goddelau von 1773-1793) und Maria Sophia, geb. NE… in…
(links:) Elisabetha Wienerin, geb. d. 26.April 1778,
† d. 27.März 1787
(rechts:) Magdalena Sophia Wienerin, geb. d. 17. Jan. 1782, gest. d. …
5. Joh. Fa. Fabricius alt 29 Jahr
…. gest. 1747 alt 24 Jahr
(Sohn und Tochter von E.H. Fabricius; s. Nr. 6)
6. (Grabstein im Vorraum)
Ernst Hermann Fabricius
geb. zu Ebsdorf 24. Juni 1677, Pfarrer in Goddelau 1706-1745, † 30. April 1745
(Grabplatte eines anderen Sohnes in der Kirche)
Ev. Kirche in Godddelau